BERLIN ERLEBEN

Reisen + Kultur

Monat: März 2020

Die Vollendung des Kulturforums

Der Realisierung des Museums der Moderne des 20. Jahrhunderts zwischen Philharmonie, Nationalgalerie, Staatsbibliothek und der St. Matthäus-Kirche ist das glückliche Ende eines schier endlosen Streites um die Vollendung des Kulturforums.

Zwei Beschlüsse des Berliner Abgeordnetenhauses zur Realisierung der alten Planung von Hans Scharoun wurden von der Senatsverwaltung ignoriert, ein Wettbewerb scheiterte, unzählige Architekten warfen Entwürfe in den Ring, weiter blieb der von der Senatsverwaltung vorgelegte Masterplan ohne Realisierungschance.

Neugestaltung des Kulturforums
(c) Heiner Wörmann

Der auf Initiative der Kulturstaatsministerin Monika Grütters von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ausgelobte Wettbewerb für das neue Museum der Moderne des 20. Jahrhunderts führte schließlich zum Siegerentwurf des international renommierten Schweizer Architektenbüros Herzog & de Meuron. Schaut man sich den vorschnell als „Scheune“ kritisierten Entwurf genauer an, zeigt sich, wie sensibel sich das Architektenteam an den Bauten der Umgebung orientiert. Denn die St. Matthäus-Kirche stand bei der modernen Ziegelfassade des Museums Pate und die, die das Scheunendach gerne ins Lächerliche ziehen, vergessen den Bezug auf das Zeltdach der Philharmonie.

Matthäikirche und Museum der Moderne
(c) Heiner Wörmann

Übrigens gibt es für an Architektur Interessierte eine kleine aktuelle Ausstellung im Eingangsbereich der Gemäldegalerie.
Im Mai oder Juni planen wir eine ausführliche Führung über das Kulturforum – der Termin wird in Kürze veröffentlicht.

Das doppelte jüngste Gericht

Last Judgement

Falls Sie eine Weile nicht unsere Gemäldegalerie am Kulturforum besucht haben, erwartet Sie eine höchst dramatische Inszenierung des „Last Judgement“ von Anthony Caro (1924 – 2013) in der Wandelhalle aus der Sammlung Würth. Als Schüler von Henry Moore wurde Caro ab den 60er Jahren ein führender Vertreter der abstrakten Bildhauerei. Zwischen dem Glockenturm sowie dem Tor des Todes und dem Himmelstor mit den vier Trompeten öffnet er uns die Hölle unseres Daseins im letzten Jahrhundert.

Last Judgement, Anthony Caro (Gemäldegalerie Berlin)
(c) Heiner Wörmann

Die Platzierung des „Last Judgement“ von Caro inmitten der Alten Meister führt uns unmittelbar zum Jüngsten Gericht von Lukas Cranach. Seine atemberaubende Kopie des Triptychons von Hieronymus Bosch beschreibt die Höllenfantasie der Menschheit zwischen Paradies und Himmel seit der Antike bis zur Renaissance.

Lassen Sie sich bis Juli auf die unmittelbare Nähe der Höllendramen von Hieronymus Bosch und Anthony Caro ein, die uns vermutlich nie wieder geboten wird.

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